Digitale Workshops durchführen

In meinem letzten Beitrag habe ich Dir ja bereits erzählt, worauf es aus meiner Sicht ankommt, wenn man digitale Workshops plant. Heute soll es darum gehen, wie Du sicher und selbstbewusst digitale Workshops durchführen kannst. Ich gebe Dir ein paar Erfahrungen mit, die ich selbst bislang machen durfte und zeige Dir ein paar Tricks, die Dir vielleicht bei Deiner Umsetzung helfen können. Ich bin gespannt, ob Du ein paar der Hinweise in Deine Workshops mit einbinden kannst!

Durchatmen, Technik checken, Hüften schwingen

Ich bin in der Regel vor Workshops immer aufgeregt und mir gehen tausend Sachen durch den Kopf. Für mich ist dabei das Workshop-Raster mein Orientierungspunkt. Aber Du wirst merken, auch ein gut gepflegtes Raster, schützt Dich nicht vor Eventualitäten. Für mich startet der Workshop-Tag deshalb immer nach einem gleichen Muster: Durchatmen, Technik checken, Hüften schwingen. Achte beim Technik-Check auf folgende Fragen:

  • Habe ich die neueste Version meiner Software installiert?

  • Funktioniert mein Mikrofon?

  • Ist mein Raum gut ausgeleuchtet?

  • Habe ich alle Funktionen vorbereitet und getestet, die ich benötige (z. B. Aufnahmefunktion, Timer, Umfrage, Break-Out Räume) ?

  • Ist mein Internet stabil?

  • Habe ich meine Notizen z.B. Links für den Chat vorbereitet und digital griffbereit?

  • Habe ich genug Ruhe in meinem Raum? (antworte mit ja, wenn Deine Nachbar:innen nicht spontan entscheiden das Badezimmer umzubauen - ja, das ist mir tatsächlich schon passiert).

Wenn Du eine Präsentation einbauen willst, gehe diese wirklich noch einmal in Ruhe durch und teste sie auch mit dem Videokonferenz-Tool, dass Du nutzen wirst. Wenn Du z.B. eine Warteraum-Funktion nutzt, schaue ob diese auch wirklich eingeschaltet ist, damit nicht schon jemand in der Vorbereitungszeit in deinen Raum hineinkommt.

Stelle sicher, dass Du neben deinem Equipment auch für Dein Wohlbefinden sorgst - mir helfen dabei kleine Snacks, genug Getränke und eine Musikliste “You can do this - Playlist” mit Gute-Laune Songs, die hier immer Vorfeld läuft und mir gute Laune & Energie für den Workshop-Tag liefert.

Öffne Euren Raum

Sollte Dein Workshopraum noch geschlossen sein, kannst Du bei vielen Tools schon im Vorfeld über die Chat-Funktion kleine Nachrichten in den “Warteraum” senden, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Ich schreibe oftmals so etwas wie “Schön, dass Ihr da seid - nur noch wenige Minuten, dann geht es los!”. Wenn Du noch sehr viel Zeit hast, kannst Du Deinen Teilnehmer:innen auch einen Link zu einem digitalen Waldspaziergang senden oder den Blick durch ein anderes, digitales Fenster schweifen lassen.

Ich öffne meinen Raum immer schon ein wenig früher, damit die Teilnehmer:innen auch ihre Technik noch einmal testen können, so vermeidest Du zu viel Trubel zu Beginn Deines Workshops. Stelle Dich aber mental auch darauf ein - technische Pannen können passieren und das ist ok.

Grundsätzlich gilt für mich: Heiße deine Gäst:innen willkommen!

Persönliche Ansprache, ein nettes Hallo in die Runde oder eine winkende Hand stimmen Deine Teilnehmer:innen auf den Workshop ein. Ich binde zudem gerne eine erste Begrüßungs-Folie ein. Auch das Einblenden eines Timers oder das Einbinden von Musik (GEMA-frei versteht sich!) motiviert und überbrückt so manche (unangenehme) Stille im Raum.

Sprecht über Euren Fahrplan

Sobald es los geht, heißt es Showtime! Begrüße Deine Teilnehmer:innen ganz offiziell zu Eurem Workshop. Du kannst hierbei noch einmal den Namen des Workshops nennen und auf die Rahmenbedingungen eingehen, z.B. durch das Einblenden Eures Fahrplans. Im besten Falle enthält dieser neben Text auch entsprechende einfache Symbole, die Du im Laufe deines Workshops immer wieder aufgreifst - so schaffst Du klare Strukturen. Wenn Du über Euren Fahrplan sprichst, achte dabei auf die Beantwortung der folgenden Fragen:

  • Worüber sprechen wir heute?

  • Was ist das Ziel unseres Workshops?

  • Wie viel Zeit brauchen wir dafür?

  • Wann gibt es Pausen?

  • Wie gehen wir mit Fragen und Anmerkungen um? (z.B. Melden durch Hand heben oder Fragen in den Chat?)

  • Wie sprechen wir uns heute an? (Arbeits-Du oder Siezen?)

Auch ein kleiner Einblick in die grundsätzlichen Funktionen Eurer Arbeitsumgebung sollte noch einmal stattfinden. Ich binde diese Informationen meistens auf eine Übersichtsfolie ein. Diese Visualisierung hilft Deinen Teilnehmer:innen einen besseren Überblick zu erhalten (kleiner Tipp: Du kannst eine solche Übersichtsfolie natürlich auch schon vorab an Deine Teilnehmer:innen übersenden). Ich empfehle Dir zur Vorbereitung auch meinen Blogbeitrag zum Thema “Wie wähle ich Methoden aus?” - dort findest Du noch einmal grundsätzliche Hinweise für den Aufbau von Phasen in Workshops & die Auswahl von Methoden.

Bring Schwung in die (digitale) Bude

Um gut gemeinsam in Euren Workshop zu starten, bieten sich kleine Aufwärm-Methoden an, auch Warm-Ups oder Energizer genannt. Ich sage Dir schon jetzt, das Internet ist voll von Ideen für solche kleinen Einstiegs-Spiele. Ich benutze sehr gerne ein sog. Mood-Meter, eine digitale Landkarte oder Einstiegsfragen. Beim Mood-Meter und der digitalen Landkarte greife ich bei Zoom auf die Stempelfunktion zurück und lasse die Teilnehmer:innen entsprechende Marker selbst setzen und frage “Wie geht es Euch heute?” oder “Aus welcher Stadt kommst Du?” - manchmal klappt das Stempeln nicht, kein Problem: dann können Antworten auch per Chat oder bei kleinen Gruppen auch über Sprachmeldungen eingebunden werden. Auch bei den Einstiegsfragen hast Du die Qual der Wahl. Ich überlege mir gerne selbst ein paar Fragen, aber greife auch gerne auf Tools wie den digitalen Stuhlkreis oder den Check-In Generator zurück. Am besten hältst Du immer ein paar Warm-Ups in der Hinterhand und schaust, wie sich die Dynamik in deiner Lerner:innen-Gruppe entwickelt. Wenn Du noch nach weiteren Ideen suchst, um bewegt in Euren Workshop zu starten, empfehle ich Dir den Warm-Up Finder oder auch die Internet-Quatsch Sammlung.

Die Mischung machts

Bei der Ausgestaltung Deiner Workshops solltest Du auch im Digitalraum auf unterschiedliche Phasen (Einstieg - Arbeits- und Austauschphasen - Abschluss und Reflexion) und Sozialformwechsel setzen (Einzelarbeit - Partnerarbeit - Gruppenarbeit). Kündige diese Wechsel immer mit ausreichendem Vorlauf an und stelle sicher, dass der Arbeitsauftrag klar und deutlich vermittelt wurde. Gerade wenn Du Teilnehmer:innen in Kleingruppen schickst, solltest Du sicherstellen, dass der Arbeitsauftrag an irgendeiner Stelle (schriftlich) festgehalten ist. So können Deine Teilnehmer:innen immer wieder mal dort vorbeischauen - hierfür bieten sich z. B. Tools wie Cryptpad an. Diese bieten auch ein tolle Möglichkeit für Deine Teilnehmer:innen, um ihre Arbeitsergebnisse zusammenzufassen und diese für alle zu dokumentieren. Die Links zu den einzelnen Dokumenten solltest Du vorab schon festlegen und prüfen, ob die Dokumente auch für alle freigegeben sind. Ich kürze Links zudem immer, um eine bessere Übersicht für mich und auch die Teilnehmenden zu schaffen.

In der Gruppenarbeit sollten Deine Teilnehmer:innen zu Beginn Rollen festlegen - ich empfehle hier immer eine Person die dokumentiert, eine Person die auf die Zeit achtet und mindestens eine Person, die präsentiert. Plane auch immer etwas mehr Zeit ein, wenn Gruppen aufeinander treffen die sich nicht kennen, geht es immer auch ein wenig ums Kennenlernen. Überlasse Deinen Gruppen bei längeren Arbeitsphasen auch die Entscheidung, genügend Pausen zu machen. Sei ansprechbar bei Fragen durch deine Teilnehmer:innen, gib Hinweise zur verbleibenden Zeit über den Chat und sorge dafür, dass Du Personen wieder ihren Räume zuteilst, sollten sie einmal aus der Videokonferenz fliegen. Wenn Du dich z.B. mit dem Einrichten von Break-Out Räumen unsicher fühlst, empfehle ich Dir das im Vorfeld einmal mit anderen Personen zu üben.

Hör zu, lenke ein, lass es laufen, setze einen Punkt

Wenn es darum geht, Ergebnisse zu präsentieren oder Diskussionen anzuregen, ist es wichtig, dass Du den Überblick behältst. Gerade im Digitalraum greifen Mimik und Gestik nicht so weit und Zwischentöne fallen öfter weg. Achte also darauf, dass Redereihenfolgen eingehalten werden und Sprechzeit ausgeglichen ist. Motiviere Deine Teilnehmer:innen sich einzubringen und führe sie nicht vor - es muss einen guten Wechsel zwischen freiwilligen Wortmeldungen und direkter Ansprache durch dich als Moderator:in geben. Du wirst sehen, dass sich ganz unterschiedliche Dynamiken in Workshops ergeben können und es ist wichtig, dass Du ihnen auch Raum gibst.

Erkundige dich regelmäßig, ob Deine Teilnehmer:innen Pausen brauchen und sorge dafür, dass Du immer wieder kleine Methoden einbaust, z.B. um sich zu bewegen, sich zu fokussieren und durchzuatmen oder um einfach Spaß miteinander zu haben. Frage Deine Teilnehmer:innen auch, was sie brauchen, damit der Workshop gut gelingt - welche Wünsche sie haben, welche Fragen sie beschäftigen und nimm diese Äußerungen ernst. Du kannst das am Anfang eines Workshops tun oder auch gesammelt in einer Reflexionsrunde, gerade dann, wenn weitere Workshops folgen. Und grundsätzlich: Gib bitte auch Rückmeldungen an Deine Teilnehmer:innen, bedanke dich für Ihr Mitwirken und fasse die Ergebnisse Eures Tages für alle zusammen.

Ich bin neugierig zu hören, was Du für Erfahrungen damit sammeln wirst und werde Dir im nächsten Blogbeitrag erzählen, wie Du Workshops gut nachbereiten und dokumentieren kannst.








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